Blume des Monats August

9. August 2010 | Von | Kategorie: Allgemein, Blume des Monats

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose…

Rosen faszinieren die Menschen schon sehr lange. Und es gibt so viele verschiedene Gesichtspunkte, die man beim Schreiben eines Artikels über Rosen wählen kann, daß dieser notgedrungen immer unvollständig sein wird. Wir haben uns für eine historische Übersicht mit Vorschlägen zum Anpflanzen von Rosen im eigenen Garten entschieden. Und natürlich haben wir immer im Hinterkopf, dass wir die Pflanzen für unsere Leidenschaft, das Blumenstecken, verwenden wollen.
Die ersten Rosen:

Eigentlich weiß niemand mit Sicherheit, wann die ersten Rosen – so wie wir sie heute als Rosen kennen – auftauchten. Aus fossilen Angaben und auf der heutigen Diversität der Rose können wir jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit ableiten, daß es schon lange vor dem Entstehen der Menschheit Rosen gab. Der Mensch hat sich erst viel später für das Züchten von Rosen interessiert. Auch hier sind die Daten nicht vollständig zu rekonstuieren, man geht jedoch davon aus, daß die Rose zu ersten Mal vor ungefähr 5000 Jahren in China als Gartenpflanze gezüchtet wurde. Das will nicht unbedingt heißen, daß der Mensch sie erst seit dieser Zeit kennt und nutzt. Es ist möglich, daß der ‘primitive’ Mensch die Rose schon viel früher wegen ihres Nährwerts schätzte. Denken wir nur an den hohen Gehalt an Vitamin C, den man in den Früchten von beispielsweise Rosa villosa findet oder an die Triebe von Rosa canina, die einen süßen Geschmack von Nussaroma haben.

Die ‘Wildrose’

Eine ‘primitive’ Rose ist einzelblütig mit fünf Blütenblättern (mit einer Ausnahme: Rasa sericea, der einzigen Art mit vier Blütenblättern!). Sie bildet Früchte und ist aus Samen einfach zu vermehren. Das ist eine Grundbedingung zum Überleben in der Natur und zur weiteren Evolution. Die Stacheln (denn eine Rose hat botanisch gesehen keine Dornen, sondern Stacheln) waren willkommener Schutz gegen große und kleine Räuber. Und der Duft und die Farbe dienten als Lockmittel für die Insekten, die zur Bestäubung notwendig sind. Man findet die frühen Rosen sowohl in Europa, Amerika, Asien als auch dem Mittleren Osten.

Nachfolgend einige Beispiele:

Europäische Arten sind unter anderem Rosa canina, die Hagebutte oder Hundsrose. Dieser strauchartige Kletterer          hat Stacheln, die an die Eckzähne eines Hundes erinnern. Weitere Arten sind die Weinrose, Rosa eglanteria und die sehr vitaminreiche Apfelrose, R. villosa, mit ihren stark behaarten Fruchtständen. Andere Arten sind Rosa arventis und Rosa pimpinellifolia. Möglicherweise kannte man in Europa auch ein paar Typen von Rosa gallica (wahrscheinlich Südeuropa oder dem Mittleren Osten) und vielleicht auch die spät blühende R. moschata (an den Ufern des Mittelmeeres).

Amerika lieferte Rosa virginiana, R. nitida, R. palustris, R. setigera, R. carolina, R. foliolsa, R. blanda. Es würde zu weit führen, diese hier auch zu beschreiben.

Aus dem fernen Asien kennt man Rosa chinensis (erst vor kurzem wurde die wilde Form, Rosa chinensis spontanea, von Mikinori Ogishu wiederentdeckt), R. laevigata, R. bracteata, R. banksiae, R. multiflora, R. wichuraiana, R. moyesii, R. moschata, R. sweginzowii, R. rugosa. Der Mittlere Osten führte zu Kontakt mit den gelben Formen von Rosa pimpinellifolia.

Und dann der Mensch

Die Griechen und Römer waren sehr an Rosen interessiert. Dafür findet man Beweise in ihrer Mythologie und Literatur. Die Rose symbolisierte Liebe, Schönheit und Jugend. Vor allem der Duft machte die Rose sehr beliebt. Welche Varietäten genau in ihren Gärten standen, bleibt unsicher, aber man kann annehmen, daß darunter beispielsweise frühe Damaszener Rosen waren, Rosa x damaszena und R. x bifera, sowie sehr wahrscheinlich eine Form von Gallica. Nach dem Untergang des Römischen Reichs dauerte es bis zu den Kreuzfahrern des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts, bis die Rose in Europa erneut populär wurde. Sie brachten die Pflanze aus dem Mittleren Osten mit und die Pflanzen stellten sich als außerordentlich winterfest heraus. Eine der bekanntesten wurde die Rosa damascena bifera ‘Quatre Saisons’, die zweimal im Jahr blüht. Eine andere sehr bedeutende Rose war die ‘Essigrose’, Rosa gallica afficinalis.

Im mittelalterlichen Europa finden wir auch die erste Rosa alba. Die Herkunft ist unbekannt, es gibt jedoch eine kleine Verwandschaft mit Rosa canina und möglicherweise mit Rosa x damascena oder R.gallica. Puristen werden also einigermaßen bestätigt behaupten, dass Rosa alba keine Art, sondern eine Hybride ist. Wie auch immer es sein mag, es sind besonders schöne Rosen. Ihre blaugrünen Blätter unterstützen die weißen bis rosafarbenen Blüten in Pastelltönen. Die Blüten haben einen herrlichen Duft.

Ab dem fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert wurden Rosen bewußt gekreuzt. Vor allem die Niederländer waren auf dem Gebiet der Selektion von Rose x centifolia Pioniere. Beweise dafür findet man auf den Malereien der Alten Meister. Nun stellt sich jedoch heraus, dass Rosa x centifolia keine Art, sondern ein sehr komplexer Hybride ist, in dem Elemente von R.gallica, R.phoenicia, R.moschata, R.canina und R.damascena vorhanden sind. Das widerspricht der früheren Idee, dass die sogenannte “Vielblättrige Rose”, die man in alten Schriften (bis 300 vor Christus) findet, dieser identisch ist, was Rosa centifolia zu einer der ältesten Rosen machen würde. Wie dem auch sei, es sind prächtige Rosen, mit sehr vielen Blütenblättern, die prima in romantischen Sträussen verarbeitet werden können. Eine zwar nicht 100%ig sichere Methode zum Erkennen einer Centifolie ist es nach der Drehrichtung der Blütenblätter in der Blüte zu sehen. Man erkennt drei Ausgangspunkte.

Ab dem sechszehnten Jahrhundert begegnet man in Europa zum ersten Mal chinesischen Rosen. Reisende erzählten von Rosen, die ununterbrochen blühen, während man in Europa nur Arten kennt, die nur einige wenige Wochen im Jahr blühen. Es dauerte jedoch noch eine Weile, bevor die ersten Rosa chinensis als lebende Pflanzen nach Europa kamen. 1781 findet man in niederländischen Berichten zu ersten Mal eine rosafarbene Form, Rosa chinensis ‘Old Blush’, erwähnt. Ca. acht Jahre später kommt die erste rote Form von Kalkutta nach England. Diese wurde als Rosa semperflorens oder auch ‘Bengal Rose’ und ‘Slater`s Crimson China’ bekannt. Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts erscheint in Frankreich eine sehr bedeutende Rose in der Öffentlichkeit. Sie ist von unbekannter Herkunft und blüht fast die ganze Saison lang. Sie wurde als ‘Duchess of Portland’ bekannt und kam ursprünglich aus Italien von wo aus sie – mit Zwischenstopp in England – schließlich Frankreich erreichte. Wahrscheinlich ist es eine Zufallskreuzung, das Ergebnis einer spontanen Kreuzung zwischen einem Hybriden einer Damaszener Rose und einer Gallica mit einer unbekannten China-Rose. Diese Kreuzung ist zum Großteil für den durchgängig blühenden Charakter der modernen Rose verantwortlich. Kur danach erscheint eine neue Rosenart in der Natur. Sie soll entstanden sein, indem auf der französischen Insel Bourbon (jetzt Réunion) ‘Old Blush’ und ‘Quatre Saisons’, beziehungsweise eine China-Rose und eine Damaszener-Rose nebeneinander wuchsen. Das Ergebnis der Vereinigung beider Rosen ist nun als Bourbon-Rose bekannt. In Frankreich züchtete man damit weiter zurück, was zum Entstehen vieler auch jetzt noch geschätzter Rosen führte. Die bekannteste davon ist wahrscheinlich die dornenlose ‘Zéphirine Drouhin’.

Ungefähr gleichzeitig mit den Portland-Rosen entstanden die Noisette-Rosen. Deren Ursprung muß in der China-Rose und R.moschata gesucht werden. Sie blühen etwas später und viele blühen wiederholt oder durchgehend. Ursprünglich sind sie sehr winterhart, aber dieses Merkmal ist durch weitere Kreuzungen in späteren Typen manchmal etwas verloren gegangen. Aus der Verschmelzung der Bourbon-Rosen mit vielen anderen entstand die Rosenlinie, die wir nun als Hybrid Perpetuals kennen. Bekannt Vertreter sind ‘Paul Neyron’, ‘Baroness Rothschild’ und viele andere. Aus allerlei Kreuzungen zwischen Vertretern all dieser Gruppen entstanden wieder andere Linien, wie die Teerosen und Hybrid-Teerosen. Und dann muß man noch die Floribunda-Rosen, Wichuriana-Rosen, Hybrid-Moosrosen, Ayrshirerosen, Sempervirens-Rosen, Pimpinellifolia-Rosen, bodendeckende Rosen usw. nennen. Natürlich dürfen wir die Austin-Rosen nicht vergessen – und als Ergänzung die sogenannten Englischen Rosen – in denen Merkmale der “alten” Rosen, wie Duft und Blütenform mit einem durchgängig blühenden Charakter vermischt wurden.

Alte Rosen für Floristikfreunde

Der echte Floristikfreund weiß Rosen zu schätzen, weiß aber auch, dass alte Rosen – und das bedeutet eigentlich soviel wie alle Gartenrosen – zu den schwierigsten zu verarbeitenden Blumen gehören. Das Problem ist, dass sie als Schnittblumen ein relativ kurzes Vasenleben haben. Dies kann mit guter Pflege verlängert werden. Die halbgefüllten und gefüllten Typen sind etwas stärker als die einzelblütigen. Um das beste Ergebnis zu erreichen, können Sie wie folgt vorgehen: Entfernen Sie ein Drittel der Blätter und Stacheln. Schneiden Sie mit einem scharfen Messer über eine Länge von 3 bis 4 cm die Stile schräg an. Stellen Sie sie in eine große Vase mit viel Wasser und Schnittblumennahrung. Sorgen Sie dafür, daß keine eigenen Blätter in das Wasser der Vase gelangen. Lassen Sie sie mindestens drei Stunden darin stehen, bevor Sie sie verarbeiten. Noch besser ist es, wenn sie die ganze Nacht darin stehen bleiben. Viele Rosen sind auch wegen ihrer Fruchtstände oder ihrer Blätter und Stängel interessant. Achten sie bei der Wahl der Rosen für Ihren Garten darauf. Sie brauchen wirklich keine Angst zu haben, man braucht keinen Rosengarten um ausreichend Material zur Eigenverwendung im Haus zu haben. Meistens genügen zwei oder drei gut ausgewählte Sträucher. Denn eine Rose blüht so üppig, daß auch das Pflücken ihrer Schönheit im Garten keinen Abbruch tut. Und wenn sie sich für durchgängig blühende Arten entscheiden, haben Sie die ganze Saison frische Blumen. Denken Sie jedoch daran, daß Sie dann fast keine Fruchtstände ernten und verwenden können.

Sie haben die Wahl.

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